Projektreferenz: KSL Martin GmbH – Medizintechnikindustrie

Rolle: Teilprojektleitung und Beratung

Schwerpunkte: Prozessberatung, Business Blueprint, Realisierung SAP PP

Land: Deutschland

KSL Martin, ein international tätiges Unternehmen in der Medizintechnik, spezialisiert auf chirurgische Instrumente, OP-Systeme und Sterilgutlösungen, stand vor der Herausforderung, seine Produktionsprozesse auf eine einheitliche, skalierbare IT-Plattform zu überführen.

Ziel des Projekts war die Einführung von SAP PP zur durchgängigen Abbildung der Produktionsplanung, Fertigungssteuerung und Materialbereitstellung – unter Berücksichtigung der hohen Qualitäts- und Dokumentationsanforderungen der Medizintechnikbranche. Mit der Implementierung sollten Prozesssicherheit, Rückverfolgbarkeit und Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette verbessert und gleichzeitig die Grundlage für künftige Digitalisierungsvorhaben geschaffen werden.

Besonderes Augenmerk lag auf der Einhaltung der regulatorischen Anforderungen nach GMP und ISO 13485, die in der Medizintechnik zwingend notwendig sind. Zudem sollte die neue Lösung die Grundlage für mobile Datenerfassung, Barcode-Tracking und papierlose Fertigungsprozesse schaffen.

Schwerpunkte des Projekts

Im Mittelpunkt stand die Einführung des Moduls SAP PP (Production Planning) als zentraler Bestandteil einer durchgängigen Produktionssteuerung.

Wesentliche Projektbausteine umfassten:

  • Prozessberatung und Erstellung eines Business Blueprint (BBP) zur vollständigen Abbildung der produktionsnahen Prozesse
  • Customizing und Realisierung der SAP-PP-Komponenten einschließlich Fertigungsauftragssteuerung, Kapazitätsplanung und Rückmeldung
  • Aufbau einer integrierten Datenstruktur für Materialstammdaten, Stücklisten, Arbeitspläne und Fertigungsressourcen
  • Entwicklung von kundenspezifischen Funktionserweiterungen zur Unterstützung regulatorischer Vorgaben
  • Einführung einer Barcode- und Scanner-basierten Rückmeldung (IPC-System) zur automatischen Datenerfassung an Maschinen und Arbeitsplätzen
  • Integration angrenzender Module wie SAP MM, SD und QM für Materialwirtschaft, Auftragsabwicklung und Qualitätssicherung
  • Aufbau eines einheitlichen Workflows für Fertigungsfreigabe, Auftragsüberwachung und Dokumentationsfreigabe

Das Projekt verfolgte einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl die technische Systemintegration als auch die Mitarbeiterqualifizierung in den Fachabteilungen berücksichtigte.

Die Ausgangssituation bei KSL Martin war geprägt durch heterogene, historisch gewachsene Produktionsprozesse, die kaum integriert waren. Unterschiedliche Softwarelösungen und manuelle Abläufe führten zu Medienbrüchen, redundanter Datenerfassung und fehlender Transparenz. Besonders herausfordernd war die lückenlose Rückverfolgbarkeit der Komponenten und Produktionschargen, die für Audits und regulatorische Prüfungen gesetzlich vorgeschrieben ist.

Zudem mussten komplexe Fertigungsarten – von Einzelfertigung über Kleinserien bis zu kundenindividuellen Sonderlösungen – flexibel in ein einheitliches SAP-System integriert werden. Auch die Implementierung einer Barcode-basierten Rückmeldung stellte hohe Anforderungen an die technische Integration zwischen SAP, Produktionsumgebung und Hardware (Scanner, Drucker, Terminals). Die Umstellung auf ein digitales System bedeutete zudem einen tiefgreifenden Wandel in den Abläufen, der gezieltes Change Management erforderte, um Akzeptanz bei den Produktionsmitarbeitern zu schaffen.

  • Heterogene, teils manuelle Produktionsprozesse ohne zentrale IT-Unterstützung
  • Fehlende Transparenz über Produktionsaufträge, Kapazitäten und Materialverfügbarkeit
  • Hohe regulatorische Anforderungen an Rückverfolgbarkeit, Qualität und Chargendokumentation (GMP, ISO 13485)
  • Notwendigkeit zur Integration von Fertigungsdaten mit bestehenden Qualitätssystemen und Lagerverwaltung
  • Unterschiedliche Fertigungsarten (Einzelfertigung, Kleinserie, Sonderanfertigungen) mit variablen Prozessketten

Im Rahmen des Projekts wurde eine standardnahe, aber individuell angepasste SAP-PP-Lösung realisiert, die die Anforderungen der Medizintechnik vollumfänglich abdeckt.

Zunächst erfolgte eine prozessübergreifende Analysephase, um die bestehenden Abläufe zu dokumentieren und Optimierungspotenziale zu identifizieren. Auf Basis dieser Erkenntnisse wurde ein Business Blueprint (BBP) entwickelt, der die Sollprozesse in SAP abbildet – von der Produktionsplanung über die Materialbereitstellung bis hin zur Qualitätsprüfung und Dokumentation.

Das Systemdesign wurde so konzipiert, dass sowohl serielle als auch auftragsbezogene Fertigungsarten abgedeckt werden können. Die Fertigungsaufträge wurden mit Barcode-Etiketten und Scannern verknüpft, um Auftragsfortschritt, Materialverbräuche und Prüfstatus in Echtzeit zurückzumelden. Über eine enge Integration mit SAP MM (Materialwirtschaft) wurden Lagerbewegungen und Materialbereitstellungen automatisiert, während SAP QM die Qualitätssicherung und Dokumentation steuerte.

Parallel dazu wurde ein mobilefähiges IPC-System (Industrial Process Control) eingeführt, das Produktionsdaten direkt am Arbeitsplatz digital erfasst. Dieses System kommuniziert bidirektional mit SAP, sodass Auftragsstatus, Rückmeldungen und Prüfprotokolle jederzeit transparent verfügbar sind. Begleitet wurde die technische Umsetzung durch gezielte Key-User-Schulungen, Workshops und Testzyklen, um die Fachabteilungen frühzeitig einzubinden und eine reibungslose Produktivsetzung sicherzustellen.

  • Einführung einer end-to-end gesteuerten Fertigungsplanung (Planung, Disposition, Auftragssteuerung)
  • Aufbau einer integrierten Datenbasis durch Harmonisierung von Materialstammdaten, Stücklisten und Arbeitsplänen
  • Implementierung eines Barcode-/Scanner-Systems (IPC) zur automatischen Erfassung von Auftrags- und Fertigungsdaten
  • Entwicklung von kundenspezifischen Reports und Prüfmechanismen zur Erfüllung von Qualitäts- und Audit-Anforderungen
  • Integration mit SAP QM und SAP MM für Qualitätsprüfungen, Wareneingänge und Rückmeldungen
  • Aufbau von Workflows für Produktionsfreigabe und Rückmeldung, um Transparenz in Echtzeit zu schaffen

Das Projekt wurde nach der SAP-Activate-Methodik mit intensiver Einbindung der Fachabteilungen durchgeführt.

Die Einführung von SAP PP bei KSL Martin führte zu einer tiefgreifenden Modernisierung der Produktionsprozesse und legte den Grundstein für eine vollständig digitalisierte Fertigungssteuerung.

Die Integration der Fertigung in die SAP-Systemlandschaft brachte eine neue Qualität an Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Steuerbarkeit:

  • Effiziente Produktionsplanung und -steuerung durch Echtzeit-Informationen über Auftragsstatus, Kapazitätsauslastung und Materialverfügbarkeit
  • Durchgängige Rückverfolgbarkeit von Komponenten, Materialien und Prozessen bis hin zum Endprodukt – ein entscheidender Faktor für die Einhaltung der ISO- und GMP-Vorgaben
  • Automatisierte Datenerfassung und Rückmeldung über Barcode-/Scanner-Systeme, wodurch manuelle Eingaben und Fehlerquellen deutlich reduziert wurden
  • Optimierte Qualitätssicherung durch integrierte Prüfprozesse und dokumentierte Chargenfreigaben
  • Verbesserte Produktionskennzahlen (OEE, Durchlaufzeit, Ausschussquote) durch höhere Transparenz und Prozessstabilität
  • Erhöhte Datenqualität durch standardisierte Stammdatenpflege und einheitliche Prozessstrukturen
  • Skalierbare Plattform für zukünftige Erweiterungen, z. B. Integration mit SAP Digital Manufacturing (SAP DM) oder SAP EWM

Die neue Lösung ermöglichte KSL Martin eine zukunftssichere, regulativ konforme Produktion, die den steigenden Anforderungen der Branche gerecht wird – effizient, transparent und digital gesteuert.