
Branche: Pharmazeutische Industrie / Lebensmittel / Naturstoffe
Projekt: SAP PP-PI, PM und APO Implementierung mit globalem Template für internationale Rollouts
Rolle: Teilprojektleitung, Prozessberatung, BBP, technische Leitung AddOn-Entwicklung und internationale Template-Verantwortung
Land: Template für RollOuts nach DE, PL, CN, MX, US, RU, TR
Die Martin Bauer Group zählt zu den weltweit führenden Unternehmen in der Herstellung und Verarbeitung von pflanzlichen Rohstoffen, Extrakten und Wirkstoffen für die Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetikindustrie. Das Familienunternehmen mit Hauptsitz in Vestenbergsgreuth (Deutschland) verfügt über Produktions- und Entwicklungsstandorte auf fünf Kontinenten.
Im Rahmen eines globalen SAP-Transformationsprogramms wurde das Ziel verfolgt, eine einheitliche, standardisierte SAP-Systemlandschaft zu schaffen, um die unterschiedlichen Werke und Tochtergesellschaften in Europa, Asien und Amerika zu harmonisieren.
In diesem Projekt die Teilprojektleitung für die Module SAP PP-PI, PM und APO, die Prozessberatung und Realisierung sowie die Leitung der Entwicklung pharmazeutischer AddOns (it.PPC, it.LPI) und deren Integration in ein internationales SAP-Rollout-Template.
Besonderheit des Projekts
Dieses Projekt diente als Leuchtturm-Implementierung innerhalb der Martin Bauer Group: Das entwickelte SAP Global Template wurde in den Folgejahren für weitere internationale Werke als Basis-Rollout verwendet und gilt bis heute als Referenzmodell für digitale Produktionsprozesse in der pflanzlichen Wirkstoffherstellung.
Teilprojektleitung SAP PP-PI (Prozessindustrie), PM (Instandhaltung) und APO (Advanced Planning & Optimization)
- Prozessanalyse, Erstellung des Business Blueprint (BBP) und Definition von Produktions- und Wartungsprozessen
- Realisierung und Customizing der SAP-Module PP-PI, PM und APO
- Entwicklung und Integration kundenspezifischer SAP AddOns:
- it.PPC (Production Process Cockpit): Digitale Fertigungsoberfläche für Produktionsaufträge, Rückmeldungen und Prozessstatus
- it.LPI (Label Printer Interface): Anbindung der Etikettendrucksysteme (Bartender, NiceLabel) an SAP
- Integration mit SAP-Modulen MM, WM, QM für eine durchgängige Prozesslandschaft
- Anbindung von Barcode-, Scanner- und Wiegesystemen (z. B. Mettler, Bizerba) über IPC Touch und Mobisys
- Aufbau einer zentralen Wirkstoffverwaltung (Active Ingredient Management)
- Datenmigration für PP- und PM-Stammdaten
- Entwicklung eines globalen Templates für Rollouts in Deutschland, Polen, China, Mexiko, USA, Russland und Türkei
- Koordination internationaler Projektteams und Schulung lokaler Key-User
Die Martin Bauer Group stand vor der Herausforderung, ihre heterogene Systemlandschaft mit unterschiedlichen Prozessstandards, Sprachen und gesetzlichen Anforderungen zu vereinheitlichen. Ziel war es, eine globale SAP-Prozessarchitektur zu schaffen, die sowohl die pharmazeutischen als auch lebensmitteltechnischen Anforderungen erfüllt.
Zentrale Herausforderungen:
- Harmonisierung von Produktionsprozessen über sieben Länder mit unterschiedlichen gesetzlichen Auflagen
- Integration von GMP- und HACCP-Vorgaben in eine gemeinsame Systemlogik
- Sicherstellung der Datenqualität und Durchführung einer globalen Migration von PP- und PM-Daten
- Aufbau einer skalierbaren Template-Struktur für internationale Rollouts
- Verbindung von Produktions-, Instandhaltungs- und Planungssystemen (PP-PI, PM, APO) in Echtzeit
- Sicherstellung der Compliance-Anforderungen (FDA, EU-GMP, ISO 22000)
- Schulung und Change Management in einem multikulturellen Umfeld
🧪 Entwicklung eines SAP-integrierten Bedien- und Leit-Cockpits für Rezepturführung und Prozesssteuerung (ZPOK)
Im Rahmen der Produktionsdigitalisierung wurde ein neuartiges, SAP-integriertes Bedien- und Leit-Cockpit entwickelt. Dieses dient der Rezepturführung, den In-Prozess-Kontrollen (IPK) und der steuerbaren Freigabelogik entlang des Fertigungsprozesses.
Ein besonderer Schwerpunkt lag auf dem Mischen von Teilendprodukten (TEE) auf Basis chargenspezifischer Qualitätsmerkmale. Dabei werden Messwerte und Analysedaten aus Labor- oder Prüfsystemen automatisch übernommen, um optimierte Mischverhältnisse zu berechnen und die Wirkstoffkonzentration gezielt anzupassen.
Funktionale Schwerpunkte:
- Zentrale Cockpit-Steuerung: Prozess- und Chargenübersicht mit Status, Prüfpunkten und Freigabeworkflows
- Rezepturführung: Automatisierte Bereitstellung von Sollwerten und Arbeitsschritten gemäß Produktionsvorschrift
- Qualitätsintegration: Nutzung von Chargenqualitätsmerkmalen (SAP QM) zur automatischen Berechnung der Mischparameter
- In-Prozess-Kontrollen: Live-Überwachung von Temperatur, Dichte und Wirkstoffgehalt mit Toleranzprüfung
- Freigabe-Workflow: Digitale Dokumentation, Genehmigungsprozesse und elektronische Signaturen gemäß GMP/GAMP5
- Automatisierte Datenrückmeldung: Waagen-, Scanner- und Dosiereinheiten werden bidirektional in das SAP-System eingebunden
Ergebnisse & Nutzen:
- Höhere Prozesssicherheit durch automatisierte Qualitätssteuerung in Echtzeit
- Optimierte Wirkstoffgehalte dank dynamischer Berechnung auf Basis aktueller Chargenanalysen
- Reduzierte Ausschussquote und verbesserte Produktionsstabilität
- Nahtlose Integration von Qualitäts-, Produktions- und Labordaten innerhalb der SAP-Umgebung
Traniva entwickelte in enger Abstimmung mit dem zentralen IT-Team und den Fachbereichen ein integriertes Prozess- und Systemkonzept, das sowohl den Anforderungen der Pharma- als auch der Lebensmittelproduktion gerecht wurde.
Kernpunkte der Lösung:
1. SAP PP-PI und PM Prozessdesign
- Definition von Produktionsrezepturen (Master Recipes), Prozessanweisungen und Fertigungsaufträgen
- Implementierung von elektronischen Chargenprotokollen (EBR)
- Integration von Instandhaltungsprozessen (PM) in die Produktionsplanung
- Einrichtung automatischer Rückmeldungen und Fehlerprotokolle
2. AddOn-Integration (it.PPC, it.LPI)
- Einführung des it.PPC als zentrale digitale Bedienoberfläche (Shopfloor UI)
- Direkte Prozessrückmeldung via Touch-Terminal
- Anzeige von Produktionsanweisungen, Mengen, Zeiten und Chargen
- Integration mit Barcode-/Scannersystemen
- Einführung des it.LPI zur zentralen Etikettensteuerung aus SAP
- Automatischer Etikettendruck mit Chargendaten
- Layoutverwaltung und Versionskontrolle
3. Technische Integration & Automatisierung
- Integration mit SAP MM, WM, QM und APO
- Wiegedatenintegration (WDS): automatisierte Waagenanbindung mit Rückmeldung in Echtzeit
- Mobisys-Integration für mobile Datenerfassung in Lager und Produktion
- Automatische Übergabe von Produktionsdaten an Planungssysteme (APO)
4. Globales SAP Template
- Entwicklung eines Rollout-Templates mit standardisierten Prozessen und flexiblen Länderausprägungen
- Einbindung von lokalen regulatorischen Anforderungen (Zoll, Steuern, Sprachen)
- Nutzung von Change Request-Workflows zur Template-Pflege
- Pilotierung in Deutschland, danach schrittweise Rollouts nach PL, CN, MX, US, RU, TR
Mit der Umsetzung des Projekts konnte die Martin Bauer Group ihre globale Produktions- und Instandhaltungslandschaft nachhaltig vereinheitlichen und digitalisieren.
Wesentliche Ergebnisse:
- Weltweit standardisierte SAP-Prozesse für Produktion, Wartung und Planung
- Einheitliche Datenbasis und Reporting-Struktur über alle Werke hinweg
- Reduktion der Prozessvielfalt um über 40 % durch Template-Harmonisierung
- Steigerung der Transparenz und Rückverfolgbarkeit von Rohstoffen und Wirkstoffen
- Erfüllung regulatorischer Auflagen (GMP, HACCP, ISO) in allen Ländern
- Schnellere Chargenfreigabe und geringere Auditaufwände
- Signifikante Effizienzsteigerung in der Produktion durch Echtzeitdaten und automatisierte Rückmeldungen
- Grundlage für zukünftige MES- und IoT-Integrationen gelegt