Low-Code / No-Code im SAP-Umfeld

Überblick: Wie Low-Code / No-Code (LCNC) die SAP-Welt verändert

Die digitale Transformation verlangt heute Geschwindigkeit, Agilität und Effizienz – auch in der Softwareentwicklung. Low-Code- und No-Code-Plattformen (LCNC) spielen dabei eine zentrale Rolle. Sie ermöglichen es, Anwendungen schneller zu erstellen, anzupassen und zu integrieren – ohne klassische Programmierung.

Im SAP-Kontext bedeutet das:

Geschäftsanwender, Fachabteilungen und IT-Teams können gemeinsam Lösungen aufbauen – integriert, sicher und erweiterbar auf der SAP Business Technology Platform (BTP).

Was bedeutet Low-Code / No-Code bei SAP?

SAP verfolgt mit SAP Build (bestehend aus SAP Build Apps, Build Process Automation und Build Work Zone) einen ganzheitlichen Ansatz, um Low-Code- und No-Code-Entwicklung mit der BTP zu verknüpfen.

Damit können Unternehmen schnell auf Marktveränderungen reagieren, Prozesse automatisieren und Fachanwender aktiv in die Digitalisierung einbinden.

Low-Code / No-Code im SAP-Kontext umfasst:

  • SAP Build Apps – zur Erstellung von Apps mit visuellen Tools, Drag-and-Drop und sofortiger Anbindung an SAP-Daten.
  • SAP Build Process Automation – für Workflow-Design, Prozessautomatisierung und Integration von RPA-Bots.
  • SAP Build Work Zone – als zentrale Benutzeroberfläche für Anwendungen, Informationen und Aufgaben.
  • SAP Integration Suite – für die technische Verbindung zwischen Systemen und Prozessen, auch ohne tiefes Coding.

Vorteile von Low-Code / No-Code in SAP-Projekten

Der Einsatz von Low-Code-/No-Code-Tools in der SAP-Landschaft bringt messbare Vorteile:

  • Beschleunigte Entwicklung: Anwendungen entstehen in Tagen statt Wochen oder Monaten.
  • Höhere Beteiligung der Fachbereiche: Citizen Developer gestalten aktiv mit.
  • Schnellere Innovation: Ideen können direkt getestet und iterativ verbessert werden.
  • Geringere IT-Abhängigkeit: Die IT wird entlastet und kann sich auf strategische Themen konzentrieren.
  • Nahtlose SAP-Integration: Direkter Zugriff auf SAP S/4HANA, BTP-Services und Nicht-SAP-Systeme.
  • Standardkonformität und Sicherheit: Governance und Compliance bleiben gewährleistet.

Praxisbeispiele und typische Einsatzszenarien

Low-Code / No-Code ist längst mehr als ein Trend – es ist Teil moderner SAP-Architekturen.

Typische Anwendungsfelder:

  • Self-Service-Anwendungen für Logistik, Einkauf oder Personalwesen
    • (z. B. mobile Checklisten, Genehmigungs-Apps, Dashboards)
  • Prozessautomatisierung in Verbindung mit SAP S/4HANA Workflows
    • (z. B. automatische Genehmigungen, Rechnungsprüfung, Stammdatenänderungen)
  • Integration von Non-SAP-Systemen über APIs und BTP-Komponenten
  • Datengetriebene Entscheidungsfindung durch Low-Code-Analytics-Anwendungen in Verbindung mit der SAP Analytics Cloud
  • Erweiterungen von SAP Fiori Apps ohne tiefen Codeeingriff

Low-Code / No-Code als Teil der SAP Business Technology Platform

Die SAP Business Technology Platform (BTP) bildet das Fundament für alle Low-Code-/No-Code-Initiativen im SAP-Kosmos. Sie verbindet Datenmanagement, Integration, Erweiterbarkeit, Analytik und KI auf einer Plattform. Die Kombination aus LCNC-Tools und BTP-Komponenten erlaubt es Unternehmen, eigene Micro-Apps, Automatisierungen und Prozesslogiken zu entwickeln – sicher eingebettet in die bestehende SAP-Systemlandschaft.

Ein zentrales Merkmal:

SAP Build ist nicht isoliert, sondern integraler Bestandteil des SAP-Ökosystems – mit einheitlichem Benutzer- und Berechtigungsmanagement, Versionskontrolle und direkter SAP-Datenanbindung.


Herausforderungen und Erfolgsfaktoren

Auch wenn LCNC-Lösungen die Hürde der klassischen Entwicklung senken, erfordert der Einsatz klare Strukturen:

  • Governance & Sicherheit – Richtlinien für Citizen Development, Rollenmodelle und Freigabeprozesse sind entscheidend.
  • Schulung & Change Management – Fachanwender müssen in die Methodik eingeführt werden.
  • Zentraler Architekturansatz – LCNC darf kein „Schatten-IT“-Thema werden, sondern Teil der strategischen IT-Roadmap sein.
  • Integration & Skalierbarkeit – Projekte sollten in die SAP BTP eingebettet werden, um langfristige Wartbarkeit zu gewährleisten.

Ausblick

Low-Code / No-Code wird zu einem festen Bestandteil der SAP-Transformation. Mit SAP Build und der BTP schafft SAP die Grundlage, dass Unternehmen nicht nur Prozesse automatisieren, sondern Innovation aus den Fachabteilungen heraus vorantreiben. In Zukunft werden LCNC-Plattformen noch stärker mit KI-gestützten Entwicklungstools (z. B. Joule) verbunden – sodass Citizen Developer mit natürlicher Sprache komplette Workflows oder Apps generieren können.

Fazit: Low-Code / No-Code als Enabler für Agilität im SAP-Umfeld

Low-Code- und No-Code-Technologien verändern nachhaltig, wie Anwendungen in der SAP-Welt entstehen. Wo früher monatelange Entwicklungszyklen notwendig waren, ermöglichen visuelle Tools heute die schnelle Umsetzung von Ideen – direkt aus den Fachbereichen heraus und dennoch sicher eingebettet in die SAP-Architektur.

Mit SAP Build und der SAP Business Technology Platform (BTP) stellt SAP eine integrierte Umgebung bereit, die es Unternehmen erlaubt, individuelle Anforderungen flexibel abzubilden, Prozesse zu automatisieren und bestehende Systeme intelligent zu erweitern. Dabei steht nicht der Ersatz klassischer Entwicklung im Vordergrund, sondern ihre Ergänzung – um Freiraum für Innovation zu schaffen.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einer klaren Governance-Struktur, die Fachanwender ermächtigt, aber auch Qualitäts- und Sicherheitsstandards wahrt. So wird Low-Code / No-Code zum strategischen Werkzeug für mehr Agilität, Effizienz und Transparenz im SAP-Ökosystem – und zu einem festen Bestandteil moderner Transformationsprojekte.

Am Ende zeigt sich:

Low-Code / No-Code ist kein Trend, sondern ein Paradigmenwechsel – hin zu einer kollaborativen, datengetriebenen und anpassungsfähigen SAP-Welt.

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